Seminarrreihe >Das Ich in seiner Begrenzung und Entgrenzung<

Das Ich taucht mit einem neuen Ton in der Philosophie der Neuzeit auf, seit Montaigne und Descartes; beide philosophieren vom Zweifel her.
Locke, Hobbes u.a. haben darüber nachgedacht, wie sich die Individuen in einer Gesellschaft zueinander verhalten, die sich nicht mehr an einer göttlichen Ordnung ausrichtet. Wie sich die Interessensphären abgrenzen lassen, ohne dass es Mord und Totschlag gibt.
Zentral dabei ist, ob man von einem optimistischen oder einem pessimistischen Menschenbild ausgeht.
Durch den Wegfall der traditionellen Gesellschaft ergibt sich eine gewisse Entfesselung des Menschen.
Das Ideal der Selbstverwirklichung bildet sich heraus, hat aber antisoziale Elemente in sich; durch die Kapitalakkumulation steigern sich die sozialen Spannungen. Das Problem der Ausbeutung scheint sich heute zur Selbst-Ausbeutung zu steigern und epidemisch Erschöpfung auszulösen.
Political correctness ist ein gängiger Minimalbegriff in der Öffentlichkeit geworden.
Die Sehnsucht nach Transzendenz verschwindet oder wird auf Nebenschauplätze abgedrängt.
Wo zeigt sich das Ich?

Themen der Seminare/Workshops:

1. Was ist das Ich? Inwiefern kann es sich begrenzen und entgrenzen und nach welchen Kriterien?
20.4. 19 Uhr (Vortrag) + 21. 4 11 Uhr (Gespräch)
Dr. Uwe Petersen Philosoph, Berlin

2. Geschichte – die der Mensch ist (Ich – Gedächtnis – Geschichte)
25.5. 19 Uhr (Vortrag) + 26 5. 11 Uhr (Gespräch)
Gerhard Nurtsch, Philosoph, Köln

3. Das Ich im nicht – westlichen Kontext: die afrikanische Ubuntu- Philosophie
7.9. 19 Uhr (Vortrag) +8.9. 11 Uhr (Gespräch)
Roger Künkel, Philosoph, Berlin

4. Ich – Du – Wir. Identitätsbildung im 21. Jahrhundert
28.9. 19 Uhr (Vortrag) + 29.9. 11 Uhr (Gespräch)
Michael Braun, Philosoph, Berlin

5. Das Ego und das wahre Selbst. Was wir SIND – der ungeborene und unsterbliche Grund unserer Existenz
19.10. 19 Uhr (Vortrag) + 20.10. 11 Uhr (Gespräch)
Hans Torwesten, Autor, Kursleiter, Maler, Kieming (Chiemgau) war

„Zwei Welten werden immer Gegenstand der Spekulationen der Philosophen sein: die ihrer Fantasie, in der alles wahrscheinlich und nichts wahr ist, und die Natur, in der alles wahr ist und nichts wahrscheinlich zu sein scheint.“
Rivarol, französischer Moralist (1753-1801)

Zu den einzelnen Seminaren/ Workshops für die, die es genauer wissen wollen:

1. Uwe Petersen:
Was ist das Ich?
Inwiefern kann es sich begrenzen und entgrenzen und welche Kriterien gelten dafür, allgemein und angewendet auf von den Teilnehmern einzubringende Lebenslagen?

2. Gerhard Nurtsch:

Unser Thema: GESCHICHTE – DIE DER MENSCH IST.

3 Markierungen unseres DenkWEGs (den wir gemeinsam als denk-work-shop beschreiten wollen):

* Das Ich IST Geschichte – als ERINNERUNG

* GEDÄCHTNIS – Geschichten, als die wir uns in der Gegenwart schreiben

* GESCHICHTE – Erwachen auf das hin, was WIRD

SELBSTDENKEN – begleitet von AN-SICHTEN Walter Benjamins: Von Passagen und vom Erwachen

Persönliches:

Gerhard Nurtsch, Jahrgang 1948, Lehrer am Gymnasium für Philosophie, Geschichte, Deutsch, Auslandstätigkeit in der Türkei (Deutsche Schule Istanbul; Universität Istanbul); einer, der sich gern empört, u.a. wenn vom Ende der Geschichte die Rede ist; der glaubt, wir haben das Wichtigste mal wieder vor uns; nachhaltig aufregende Anreger: Hegel, Marx, Benjamin, Celan, Améry, Sebald

3. Roger Künkel:

Der Text:

Ubuntu <http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_IPA-Zeichen> bezeichnet eine
afrikanische Lebensphilosophie
<http://de.wikipedia.org/wiki/Lebensphilosophie> , die im alltäglichen Leben

aus afrikanischen Überlieferungen heraus praktiziert wird.

Das Wort Ubuntu

kommt aus den Bantusprachen <http://de.wikipedia.org/wiki/Bantusprachen>
der Zulu <http://de.wikipedia.org/wiki/Zulu_%28Volk%29>
und der Xhosa<http://de.wikipedia.org/wiki/Xhosa_%28Volk%29> und bedeutet in etwa
„Menschlichkeit <http://de.wikipedia.org/wiki/Menschlichkeit> “,
„Nächstenliebe <http://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%A4chstenliebe> “ und
„Gemeinsinn <http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinsinn> “ und das Bewusstsein, dass man selbst Teil eines Ganzen ist.

Damit wird eine Grundhaltung bezeichnet,
die sich vor allem auf wechselseitigen Respekt <http://de.wikipedia.org/wiki/Respekt>
und Anerkennung <http://de.wikipedia.org/wiki/Anerkennung>,
Achtung derMenschenwürde <http://de.wikipedia.org/wiki/Menschenw%C3%BCrde> und das Bestreben nach einer harmonischen <http://de.wikipedia.org/wiki/Harmonie>

und friedlichen Gesellschaft stützt, aber auch für den Glauben an ein
„universelles Band des Teilens, das alles Menschliche verbindet“. Die eigene Persönlichkeit und die Gemeinschaft stehen in der Ubuntu-Philosophie in enger Beziehung zueinander.

Ubuntu beinhaltet auch politische und religiös-spirituelle Aspekte, die die
Verantwortung des Individuums innerhalb seiner Gemeinschaft betonen.

Es gibt Versuche des südafrikanischen Verfassungsgerichts <http://de.wikipedia.org/wiki/Verfassungsgericht_der_Republik_S%C3%BCdafria> , diesen afrikanischen Kulturwert bei der Auslegung der Grundrechte in der südafrikanischen Verfassung

<http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdafrika#Verfassung> einzzuheeziehen.

4. Michael  Braun:

Ich – Du – Wir: Identitätsbildung im 21. Jahrhundert Individualität, Eigenverantwortung, Kreativität, Eigeninitiative, Beweglichkeit, Interkulturalität, das sind Schlagworte, die versuchen unsere Gesellschaft positiv zu beschreiben. Mit den meisten dieser Schlagworte verbinden wir Begriffe wie Aufklärung und Demokratie, also sehr positive Werte. Auf der anderen Seite finden sich Beschreibungen wie, Entsolidarisierung der Gesellschaft, Orientierungslosigkeit, Beliebigkeit bzw. Verlust der Werte, Verlust des zwischenmenschlichen Vertrauens. Sie beschreiben eine Gesellschaft die auseinanderzubrechen droht. Im Workshop wird es darum gehen, welche Beschreibungen unserer Gesellschaft unser welchen Bedingungen Sinn machen und wie der Einzelne unter diesen Bedingungen eine stabile Identität entwickeln kann, um offen zu sein für ein Du und ein Wir.

5. Hans Torwesten:

Gewöhnlich wird auf das Ego in meditativen Gruppen, vor allem östlicher Prägung, eingedroschen: Es ist der Sündenbock par excellence, den es so schnell wie möglich loszuwerden gilt. Dabei ist die Ich-Werdung im Laufe der geistigen Evolution höchst wichtig – ohne sie ist eine Daseinsbewältigung und eine Orientierung in der Welt kaum möglich.

Nur: ist sie auch schon der Endpunkt der Evolution? Ist das, was da jeden Morgen aufsteht, seinen täglichen Pflichten nachkommt und abends regelmäßig in einen rätselhaften Schlaf versinkt, schon der Weisheit letzter Schluss? Gibt es hinter diesem Oberflächen-Ich, das sich da mühsam von einem Tag zum anderen tastet, nicht noch eine andere Realität – ob wir sie nun das wahre unzerstörbare „Selbst“, den „Atman“, die Buddha-Natur oder den „Grund der Seele“ nennen? Wenn wir uns auf den Grund gehen – was manchmal sehr schmerzhaft sein kann -, stoßen wir zuletzt auf eine Wirklichkeit, die nicht mehr hinterfragbar ist – weil sie nie zum Objekt gemacht werden kann, weil sie schlicht das ist, was wir SIND – jenseits der veränderlichen Gefühle und Gedanken, die entstehen und wieder vergehen. Die Mystiker aller Religionen haben diesen ungeborenen und unsterblichen Grund unserer Existenz erfahren – warum sollten wir es nicht auch können?