Bericht(aus Alex-Berlin)über 48St.Neukölln in der Mainzer7

Mitten im Kunstraum Mainzer 7 erhellte ein menschlicher Umriss den Boden, reale menschliche Füße hatten ihn verwischt und mit Abdrücken übersät. Künstler Ercan Arslan, 1969 in Neukölln geboren, füllt in seiner Performance Schatten mit Mehl. „Ein Schatten hat etwas, das alle vereint“, erklärte Anja Söyünmez, Kuratorin der Ausstellung. Er lasse schließlich keine Herkunft, Religion, sexuelle Orientierung oder Hautfarbe erkennen. Ein Gleichmacher. „Andererseits hat ein Schatten auch etwas Negatives – das Böse, das sich anbahnt.“

Gerade im Hinblick auf die Flüchtlingspolitik fordere die Performance zum Nachdenken auf, so Söyünmez. Der mehlgewordene Schatten ist verformt, hat nichts mehr mit dem Menschen gemein – ähnlich wie Vorurteile Individuen in der Wahrnehmung verzerren. Arslan stellte außerdem farbintensive Übermalungen von Zeitschriftenfotos aus, zahllose Schichten Acryl verfremden das Reklamemotiv bis zur Unkenntlichkeit. Hier ist die Verfälschung eine Aufwertung, eine trotzige Ansage an die Allgegenwart der Werbung.