Ausstellung“Mein Stoff für Luxus…“

Ausstellung am 17.6.2011 „Mein Stoff für Luxus…“von Jan Bejsovec

 

 

 

 

 

Zusätzlich findet in den Räumen am 17.6. um 20.00 eine Peromance statt die sich am Festivalthema (2011: Luxus Neukölln) orientiert: „Abseits“ von Jens Reulecke unter Mitwirkung von Florian Erdle, Tabea Gebauer und Britta Schönbrunn. Die Wahrheit ist niemals auf der Oberfläche sichtbar, sondern im Abseitigen verborgen. Unsere performativen Untersuchungen dieser „abseitigen Welt“ führen uns hinein in eine Form des Seins, die hinter der Pose und dem Gewollten existiert. So stellen wir uns einer vorherrschenden Definition von Luxus entgegen, der es vornehmlich um materielle Präsenzen geht. Wir orientieren uns deshalb weder an Vorlagen aus gut konsumierbaren Präsentationen, noch an abgesegneten Vorstellungen, noch an fertigen Produkten. Unser „realer Luxus“ besteht in der Freisetzung von Dingen, die nicht herstellbar sind, weil sie sich ausschließlich ereignen. Die Zielsetzung unserer performativen Arbeit konzentriert sich darauf, eine Freisetzung zu provozieren, so dass sich etwas ereignen kann. Als Mittel dazu dienen uns Körperbewegung, Sound, Videoprojektion (aus Recherchen der Umgebung des Performance-Ortes) und installative Elemente. Unsere Vorgehensweise liegt in der Balance, die sich dem Instinkt anvertraut, um der Wahrheit Platz zu machen, die im „Abseits“ Befindliches erfahrbar macht. Dabei gehen wir improvisativ und ungebunden vor, erkunden, während wir entdecken und Unerwartetes uns überrascht. Genau in diesem Bereich ist unser Blick auf den Luxus anzusiedeln, geht es uns um eine Erfahrung von Fülle, die niemals zu fixieren ist

 

48 Stunden Neukölln – ein Festival

Dieser Festival, das war unser zweiter Höhepunkt nach >Frühlingserwachen< noch Ende März. Viel mehr Aufwand, um organisatorisch rein zukommen – auf die Website des Festivals und was weiß ich wohin. Eine Performance sollte es geben, vorwiegend auf dem Bürgersteig, mit Video. Das bedeutete, einen besonderen Antrag bei der Behörde zu stellen stellen! Wir hätten lieber einen andern Antrag gestellt: dass sich nämlich das Stadtreinigungsamt um die Hinterlassenschaften der kleineren oder größeren Vierbeiner vor unserer Front kümmert… aber das ist wieder private Bürgerpflicht. Die Mühen sind vergessen, es war eine wunderbare Erfahrung, die Räume und das Schaufenster der >Mainzer7< erneut und ganz anders verwandelt zu sehen: mit den gestickten textilen Kunstwerken von Jan Bejšovec, die den Horizont der politischen Konflikte Deutschlands auf überraschende Weise P. Aufreißen, durch die Theaterbühne des farbigen Schattentheaters für Kinder von Jürgen Rassek. Aber die Performance am Freitagabend mit Jens Reulecke, Tabea Gebauer, Florian und Karl auf dem Bürgersteig mit einem ganz verschiedenartigen Sound, den Streifen des kleinen Mikrofons über Stoffe und andere Materialien, dem Einbeziehen der raschelnden Häufchen von kleinen Lindenblättern, dass Schreiten, Sich-Annähern und wieder Lösen – das entführte uns in eine tiefere, archaische Gesten- und Klangwelt. Im Text der Performance >Abseits< hatte es geheißen,: Die Wahrheit liegt unter der Oberfläche. Bei der Lesung von Peter Mannsdorff über >Stille Orte< (die jeder mal aufsuchen muss) und verschiedene andere Verwicklungen ging es häufig heiter zu. Viele Menschen, die sich anhand der Karte zu den locations des Festivals orientierten, kamen herein und schauten sich um. Manche ließen sich auf Gespräche ein, andere wollten vor allem das auf sich wirken lassen, was geboten wurde. Wir konnten schon ein Stück weit Teamgeist entwickeln, uns entdecken – obwohl alles noch neu ist. Aber eine solche Initiative in die Öffentlichkeit zu stellen, das erlebt man im Nachhinein als Kraftzuwachs.

Improtheater, Theatersport – ein Workshop am 4.Juni

Den Raum erkunden, den Körper lockern – die Urteile des Kopfes loslassen… wie geht denn das?
Am Samstag, den 4. Juni, haben wir es zu 8 Personen probiert. Das ging so:
* Aufwärmübungen mit Musik, den Rhythmus in den Füßen
* Durch den Raum gehen, einer sagt ein zweisilbiges Wort, ein anderer schließt an – z.B. Kaffeekanne – Kannengießer
* Alle sitzen an der Wand in einer Reihe. Einer tritt vor und sagt: „Ich bin ein Baum“, macht die entsprechende Geste. Ein anderer tritt hinzu und sagt – mit der entsprechenden Geste : „Ich bin das Blatt“. Der dritte entsprechend: „Ich bin die Blattlaus“
* Sich in zwei Reihen gegenüberstehen: Man geht aufeinander zu, schleudert sich Schimpfwörter wie > Blödmann<, >Dreitagepenner< entgegen. Die Gegenseite zuckt jeweils zurück, geht aber zum Gegenangriff über.
* Verkäufer und Käufer: Der Kunde will was kaufen, der Verkäufer versucht argumentativ und gestisch, ihm das auszureden.
* Gemeinsam auf einer Insel im Pazifik ein Boot aus dem Schuppen holen, auf den Köpfen zum Ufer tragen und zu Wasser lassen, wo keine Steine mehr sind.
* Musik anhören und im Rhythmus dazu an Stellen im Raum gehen.
* Szene mit Tramper, Fahrer im Auto und Beifahrer. Ein Tramper steht an der Straße, steigt ein (auf einen Stuhl) und überträgt seine Stimmung (Traurigkeit, Wut, Freude, Übermut…) auf die beiden anderen. Schließlich steigt der Fahrer aus, der Beifahrer wird zum Fahrer, der Tramper zum Beifahrer… ein neuer Tramper mit anderer Stimmung taucht auf.
* Begrüßung und Schlusskommentar zum Workshop in der eigenen Fantasiesprache ausdrücken

Wir möchtenim Herbst einem weiteren Workshop anbieten. Wer hat Interesse?

 

 

 

Eine Reise nach Barcelona und Madrid

In diesen Städten haben wir viel Schönheit gesehen, viel Ebenmaß. Obwohl die Autos dort fuhren und hupten wie anderswo auch, die Menschen sich auch mal etwas zuriefen, das erregt klang. Aber meist haben wir sie als entschlossen, konzentriert und doch gelassen empfunden – als würdevoll.
Es ist schwer zu sagen, wie ich dieser Eindruck von in sich ruhenden Menschen entstand, die ihrer Arbeit nachgehen und Zeit für Freundschaften haben wie es scheint. Wir konnten so etwas wie den Kitt zwischen ihnen spüren.
Woran könnte das liegen? Da sind die Häuserreihen, die Straßenzüge, gut gegliedert, oft in Bögen gebaut, die Fenster meist mit schmiedeeisernen Gittern an den Balkonen verziert. Diese Fensterkörbe sind ästhetische Elemente, dienen anscheinend weniger dem Schutz. Diese fantasievolle Architektur hat später der unablässig produktive, bizarre Architekt des katalanischen Jugendstils (Modernisme Català) Antoni Gaudí in Barcelona zu unnachahmlichen Meisterwerken gesteigert.
Jemand sagte mir, dass auch nach dem Tod Francos vor 36 Jahren immer noch innerhalb der Familien der alte Hass zwischen Rechts und Links aus den Tagen des Bürgerkrieges weiter transportiert wird. Kann sein, kann nicht sein. Doch es macht einen Unterschied, abgesehen von dem trocken warmen iberischen Klima in den beiden großen Städten dort, ob die alten Häuser mit den Erinnerungen an das Leben, das dort in Generation gelebt wurde, noch da sind oder ob, wie im Falle des Zweiten Weltkriegs die großen deutschen Städte von den Alliierten weitgehend aus der Luft zerbombt wurden, um die faschistische Diktatur zu besiegen. Die Saat der Massaker des Dritten Reiches ging auf…
Wir können hier in Berlin und anderswo die alte Schönheit der Bauten, Straßen und der Plätze nicht wiederherstellen, auch eine Restauration bedeutet einen Schnitt, einen Abklatsch. Wir sind dazu verurteilt, nein, war wir haben die Chance, im Geistigen neue Formen zu erringen, wie wir miteinander umgehen. Trotz der oft öden Funktionalität unserer Häuser, unserer Arbeitsstätten. Neue >schöne< Formen könnten das sein, die unsern eigenen Ideen und dem Mitschwingen mit dem andern entspringen. Man könnte da von moralischer Fantasie sprechen. Bei jedem sähe die anders aus. Da würden sich, metaphorisch gesprochen, Barcelona, Berlin und Madrid die Hand reichen – in die Zukunft hinein. Festigkeit ohne Starrheit, ein Wille, der weder gefesselt noch entfesselt ist. Die Mitte finden, die der Situation angemessen ist, dem einmaligen Augenblick.
Thomas Maurenbrecher