Der Völkermord an den Armeniern

Thomas Maurenbrecher

Der Völkermord an den Armeniern und Wilhelm II.

Die Haltung des offiziellen wilhelminischen Kaiserreiches zu den Gräueltaten war wegschauen und totschweigen, obwohl Diplomaten vor Ort Berichte nach Berlin schickten. Die Ursachen für diese schmähliche Haltung, unter Ausblendung der Menschenrechte als essentials liegen in eigenen wirtschaftlichen Interessen und der Position des Kaiserreichs als eine der Beratermächte, in dem Fall als Militärberaer. Das kann man durch eine kleine erfundene Szene im Berliner Stadtschloss deutlich machen.

Wilhelm II, erwacht nachmittags im Eckzimmer, 2. Stock, Stadtschloss.
Huch! Was war das, ach du da oben mit deinem Bss…
Adjutant!
Majestät, womit kann ich dienen?
Gibt es Fliegenklatschen?
Ich fürchte nicht, Majestät.
Sie fürchten? Sagen Sie stante pede zwei Schachteln mit Fliegenklatschen. Wenn mich nicht alles täuscht, sind die ägyptischen besten, hat mal die Frau des Khediven ihrer Majestät erzählt, französische Hugenotten in Ägypten machen das, ist ja klar.
Ich werde alle Hebel in Bewegung setzen, Majestät.
Tun Sie das gefälligst!
Der Kaiser langweilt sich, wie darüber zu den 53 Kleiderschränken. Richtig, im 34. sind die Helme, er hatte ein kleines Bändchen am Schlüssel anbringen lassen. Es tut so gut diese Reichsadler auf den Helmen, geputztes Messing, wenn sich die Adler von den römischen Standarten auf seinem Kopfputz wieder eingefunden hätten.
Wenn wir dann demnächst endlich in Bagdad fertig sind, komme ich und trage einen von euch auf den Kopf, es wird schimmern! Er berührt sie fast zärtlich mit den Fingern der rechten Hand. Bei der Eröffnung der Bagdadbahn werde ich mit dir oder mit dir auf den Kopf, er tätschelt sie, da stehen, wo die Gleise zu Ende gehen. Und es wird so aussehen, als ab ihr mit den Flügeln schlagt und los fliegt, die Gleise entlang, unermüdlich, bis ihr wieder auf dem Alexanderplatz auskommt, wie kaiserliche Brieftauben. Er hebt den Kopf, schaut in Richtung auf den Dom, wo seine Vorfahren liegen, ein erhabener Augenblick.
Ergibt sich einen Ruck
Es geht ja zügig voran, zweimal die Woche die Telegramme von Borsig. Und noch öfter von Krupp, Stahl kochen in den Thomasbirnen für die Abertausend Schienen zwischen Europa und dem Orient. Bagdad heimholen, Wiege der Menschheit
Manchmal kommt da noch was von unserem Konsul in Bagdad. Wirr werden Ehre einlegen.
Es klopft.
Herein!
Der Adjutant, keuchend. Hält verschiedene Fliegensklatschen in der Hand.
Schön, dann machen Sie mal. Am besten rufen Sie doch jemanden. Ich schlage vor, Sie teilen sich das Terrain im Zimmer ein, ja?
Wird gemacht.
Dann haben Sie hier auch ein Exerzierfeld, das kann nie schaden. Er lacht kurz.
Weder klappt der Adjutant die Hacken zusammen, dann raus.
Die beiden führenden Befehle aus, versuchen, den Herrscher nicht zu stören, wenn sie auf der Fliegenpirsch sind.
Es klopft wieder, ein anderer Adjutant mit einer Depesche erscheint.
Was gibt’s, Oberleutnant?
Mir ist eine weitere Eingabe von Herrn Lepsius aus dem türkischen Kleinasien,, Malatya heißt der Ort.
Und was hat er diesmal?
Es wird immer schlimmer, wie man mit den Armenien umgeht, das sei jetzt schon Völkermord. Das deutsche Kaiserreich müsse etwas tun sich auch, die Weltöffentlichkeit informieren.
Warum denn gerade wir, frage ich sie. Was soll denn Diplomaten als in anderen europäischen Ländern, sind die denn blind?
Ich habe hier diese Nachricht zu überbringen, das ist mein Auftrag.
Wilhelm II. geht umher, zwirbelt an seinem Schnurrbart.
Ich will Ihnen etwas sagen, Oberleutnant. Als es da in Südwest losging, musste auch eingeschritten werden. Was glaubten denn die Hereros, wer sie sind? Lettow-Vorbeck hat das damals glänzend besorgt, da wussten die Buschmänner, wo sie dran sind mit ihren seltsamen Schnalzlauten. Ist doch keine Sprache, ich bitte Sie!
Aber wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, die Armenier sind 1:00 Uhr altes Kulturvolk. Christen sind sie zumal!
Muss ich Ihnen das sagen, dass es Rassenunterschiede gibt? Würden Sie gerne eine Häuptlingstochter aus dem Volk der Zulus zum Altar führen?
Der Oberleutnant hält sich bedeckt.
Wenn Sie der dann vor dem Altar das Jawort geben würden, ist es ja gar nicht, ob schwarze Flecken auf Ihrer Hand bleiben.
Der Oberleutnant scheint aus dem Augenwinkel schafft es, im passenden Moment auch zu lachen.
Was könnte man denn machen, um diesen verrückt gewordenen Jungtürken – die Namen kann ich mir nie merken – in den Arm zu greifen? Mit dem U-Boot durch den Bosporus ins Mittelmeer, an der türkischen Südküste auftauchen, ein neuer Panthersprung? Der kranke Mann am Bosporus ist schließlich nicht Marokko! Vielleicht sollte eine Blitzkonferenz wie 1878 in Berlin her, als der Alte vom Sachsenwald für ganz Europa das Heft in die Hand nahm. Wo in der Sahelzone oder sonst wo eine Grenze zu ziehen ist Aber wir haben keinen wie den mehr, nur noch die Lineale und Karten, noch müssen eben kleinere Brötchen backen.
Der Engländer und Franzosen könnten auch die Initiative ergreifen.
Da haben Sie vollkommen recht, junger Mann. Es gibt irgendwo Grenzen ich habe auch Verpflichtungen gegenüber der Deutschen Industrie. Borsig hat mit der Bagdadbahn über viele Jahre die Auftragsbücher voll, und das hat eine Signalwirkung.
Darf ich fragen, ob ich eine Antwort an Herrn Lepsius überbringen soll?
Lassen Sie mich überlegen… Nein, ich glaube nicht. Tut mir leid.
Darf ich gehen?
Ja, sofort, Ihre Majestät und ich werden übermorgen wieder nach Korfu fahren, ein wenig ausspannen.

*****

Brainstorming in der Kerngruppe

Nach fast anderthalb Jahren Aufbauarbeit, kurz vor dem Erreichen der Gemeinnützigkeit des Vereins, setzten wir uns am Samstag, den 24.3., für etwa 2-3 Stunden zusammen.
Eingeladen war zu einer deftigen Suppe. Die hatten wir auch nötig. Denn der Titel des Papiers, das alle bekommen hatten, war hochtrabend: >Einen spirituell-philosophischen Kern für die Mainzer7 bilden<. Wir haben uns aber nicht in den Haken und Ösen dieses Papiers verloren, in dem ging es beispielsweise um die Philosophie Max Schelers, überhaupt um das Fühlen als Erkenntnisorgan, um die 111 Tugenden und 111 Laster im gleichnamigen Buch von Martin Seel, um Altäre und Verehrungskräfte, um das Schenken als wichtige soziale Tat.
Nein, das Wichtige war, dass wir 8 ziemlich unterschiedlichen Persönlichkeiten uns gegenseitig wahrnahmen, ja entdeckten – ohne uns zu sehr abgrenzen zu müssen.
Jetzt, da ich versuche, die Erfahrung dieses Treffens in Worte zu fassen, muss ich ständig an einen Gärtner denken, der ein schönes Stück Land zur Verfügung hat. Was soll ich damit machen? fragt er sich. Welches Gemüse soll ich da anbauen? Tomaten, Rote Bete, Broccoli, Fenchel, Lauch, Zwiebeln? Oder einfach nur Kartoffeln? Sowieso bin ich in all diese Gemüsearten vernarrt, sagt sich der Gärtner. Aber welchen Abstand brauchen sie untereinander? Wie viele brauche ich von jedem für meine ganze Familie? Und die Freunde? Ist der Boden gut durchlüftet, gibt es genug Nährstoffe? Was ist mit dem Ungeziefer? Fragen über Fragen…

Einer Versuchung sind wir nicht erlegen: auf unseren Acker knallen wir keinen Kunstdünger!! Denn wir kennen die Probleme mit dem Mega-Wachstum. Die Artenvielfalt geht zurück, und wir sind in der Situation des Zauberlehrlings, der dem Zauber erliegt. Da haben wir ausgelernt: Wir können warten…

Wir haben nicht all diese Fragen aufgegriffen, unser Grundstück war auch nicht ganz neu. Zwischendurch haben wir uns die Suppe schmecken lassen. Wir mochten uns, wenn auch einige mit der Leidenschaft nicht hinterm Berg hielten…

Was uns einfiel? Talkshows mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten im Kiez zu veranstalten; sich überlegen, wie wir mit der großen Bandbreite der Bevölkerung in Neukölln zwischen Intellektuellen und Künstlern einerseits und mehr randständigen Existenzen andererseits umgehen wollen und dabei die fruchtbare Spannung mit hereinbekommen; der Frage nachgehen, ob die Mainzer7 eher ein Projekt für den Kiez oder potenziell für die ganze Stadt sein soll? Zu weiteren Neukölln – Experten Kontakt aufnehmen; vielleicht teilzeitmäßig einen Cafébetrieb anbieten. Deutlich wurde auch, dass es wichtig ist, mit dem Körper zu arbeiten: Performance, Improtheater, Gora-Arbeit. Vielleicht einen Ort der Stille bilden…
Natürlich ist das ein Maximalprogramm. Aber es ist genau wie bei einer Frau, die Gäste einlädt und eher mehr zu essen und zu trinken anbietet als zu wenig… Und vielleicht kommen ja auf die Dauer mehr Gäste… mehr Hausfrauen und Hausmänner… und überhaupt mehr Leute, die sich die Hose nicht mit der Kneifzange zu machen.
Jedenfalls: Es war so, dass sich jeder oder jede seinen/ihren Gesprächsraum suchen konnte. Und ihn auch fand! Keiner hielt dem anderen den Mund zu oder verbreitete das Gefühl: Mach bloß deinen Mund nicht auf, hier sitzen Er-Lauch-te!

Das genügt, um mit Freude weiter aufzubauen.

Wer das hier gelesen und Lust bekommen hat, Kontakt mit uns aufzunehmen, hier ist die hotline:  030-61203861.

Für e-mailer: tho.mau@web.de

Und dann: RAN AN DEN SPATEN!

Frühlingserwachen

Wann immer der Frühling in diesem Jahr nach dem Lauf der Sterne erwacht, in den Räumen der Mainzer7 feiert er sich am 24.-25. März mit den kraftvollen Bildern von Christiane Habermann (Berlin) und Martin Schwarz (Leipzig). Landschaften sind da zu sehen, Akte, Plätze, Blumensträuße. Es sieht ein bisschen aus, als ob die Künstler der Brücke und all die anderen Maler des Expressionismus nie vergangen und noch etwas >Art brut< von Jean Dubuffet dazugekommen wäre. Farbe, viel Farbe, wahrscheinlich auch mit dem Spachtel aufgetragen, nicht gekleckert. Wenn, dann auf dem Boden… Man kann spazieren gehen auf diesen Bildern, sich von der Harmonie der Linien tragen lassen, die Wildheit von Gesichtern oder Körpern anstarren, vielleicht ein Gefühl von Totem haben. Selbst die Stillleben sind nicht mehr still, man müsste einen andern Ausdruck dafür erfinden: Hasch – mich – und – tanz – mit – mir – Sträuße zum Beispiel. In diesen Bildern ist eine Dichte, ein Feuer, das uns sonst unter der Hetze, der Überspanntheit und der Angst um den unsicheren Arbeitsplatz häufig zerbröselt. Wonach wir als bloße Kompensation an türkischen oder thailändischen Stränden suchen. Man kann sich so ein Gemälde von einem der beiden aussuchen, mitnehmen und in Ruhe zuhause betrachten. Und sich den Strand von Alanya oder Phuket sparen.
Kommen Sie am 24.3. (16 – 22 Uhr) oder 25.3. (15 – 18 Uhr) in unsere Räume in der Mainzer Str. 7 (Näher Hermannplatz)… Martin Schwarz wird sich auf dem Klavier hören lassen, wahrscheinlich mindestens so ausdrucksstark…Klangfarbräusche, wie finden Sie das?

Die Ausstellung ist noch bis Ende April zu sehen. Öffnungszeiten nach Vereinbarung mit Christiane Habermann T030 5558769/ Mobil 0152 33685275