Improtheater, Theatersport – ein Workshop am 4.Juni

Den Raum erkunden, den Körper lockern – die Urteile des Kopfes loslassen… wie geht denn das?
Am Samstag, den 4. Juni, haben wir es zu 8 Personen probiert. Das ging so:
* Aufwärmübungen mit Musik, den Rhythmus in den Füßen
* Durch den Raum gehen, einer sagt ein zweisilbiges Wort, ein anderer schließt an – z.B. Kaffeekanne – Kannengießer
* Alle sitzen an der Wand in einer Reihe. Einer tritt vor und sagt: „Ich bin ein Baum“, macht die entsprechende Geste. Ein anderer tritt hinzu und sagt – mit der entsprechenden Geste : „Ich bin das Blatt“. Der dritte entsprechend: „Ich bin die Blattlaus“
* Sich in zwei Reihen gegenüberstehen: Man geht aufeinander zu, schleudert sich Schimpfwörter wie > Blödmann<, >Dreitagepenner< entgegen. Die Gegenseite zuckt jeweils zurück, geht aber zum Gegenangriff über.
* Verkäufer und Käufer: Der Kunde will was kaufen, der Verkäufer versucht argumentativ und gestisch, ihm das auszureden.
* Gemeinsam auf einer Insel im Pazifik ein Boot aus dem Schuppen holen, auf den Köpfen zum Ufer tragen und zu Wasser lassen, wo keine Steine mehr sind.
* Musik anhören und im Rhythmus dazu an Stellen im Raum gehen.
* Szene mit Tramper, Fahrer im Auto und Beifahrer. Ein Tramper steht an der Straße, steigt ein (auf einen Stuhl) und überträgt seine Stimmung (Traurigkeit, Wut, Freude, Übermut…) auf die beiden anderen. Schließlich steigt der Fahrer aus, der Beifahrer wird zum Fahrer, der Tramper zum Beifahrer… ein neuer Tramper mit anderer Stimmung taucht auf.
* Begrüßung und Schlusskommentar zum Workshop in der eigenen Fantasiesprache ausdrücken

Wir möchtenim Herbst einem weiteren Workshop anbieten. Wer hat Interesse?

 

 

 

Eine Reise nach Barcelona und Madrid

In diesen Städten haben wir viel Schönheit gesehen, viel Ebenmaß. Obwohl die Autos dort fuhren und hupten wie anderswo auch, die Menschen sich auch mal etwas zuriefen, das erregt klang. Aber meist haben wir sie als entschlossen, konzentriert und doch gelassen empfunden – als würdevoll.
Es ist schwer zu sagen, wie ich dieser Eindruck von in sich ruhenden Menschen entstand, die ihrer Arbeit nachgehen und Zeit für Freundschaften haben wie es scheint. Wir konnten so etwas wie den Kitt zwischen ihnen spüren.
Woran könnte das liegen? Da sind die Häuserreihen, die Straßenzüge, gut gegliedert, oft in Bögen gebaut, die Fenster meist mit schmiedeeisernen Gittern an den Balkonen verziert. Diese Fensterkörbe sind ästhetische Elemente, dienen anscheinend weniger dem Schutz. Diese fantasievolle Architektur hat später der unablässig produktive, bizarre Architekt des katalanischen Jugendstils (Modernisme Català) Antoni Gaudí in Barcelona zu unnachahmlichen Meisterwerken gesteigert.
Jemand sagte mir, dass auch nach dem Tod Francos vor 36 Jahren immer noch innerhalb der Familien der alte Hass zwischen Rechts und Links aus den Tagen des Bürgerkrieges weiter transportiert wird. Kann sein, kann nicht sein. Doch es macht einen Unterschied, abgesehen von dem trocken warmen iberischen Klima in den beiden großen Städten dort, ob die alten Häuser mit den Erinnerungen an das Leben, das dort in Generation gelebt wurde, noch da sind oder ob, wie im Falle des Zweiten Weltkriegs die großen deutschen Städte von den Alliierten weitgehend aus der Luft zerbombt wurden, um die faschistische Diktatur zu besiegen. Die Saat der Massaker des Dritten Reiches ging auf…
Wir können hier in Berlin und anderswo die alte Schönheit der Bauten, Straßen und der Plätze nicht wiederherstellen, auch eine Restauration bedeutet einen Schnitt, einen Abklatsch. Wir sind dazu verurteilt, nein, war wir haben die Chance, im Geistigen neue Formen zu erringen, wie wir miteinander umgehen. Trotz der oft öden Funktionalität unserer Häuser, unserer Arbeitsstätten. Neue >schöne< Formen könnten das sein, die unsern eigenen Ideen und dem Mitschwingen mit dem andern entspringen. Man könnte da von moralischer Fantasie sprechen. Bei jedem sähe die anders aus. Da würden sich, metaphorisch gesprochen, Barcelona, Berlin und Madrid die Hand reichen – in die Zukunft hinein. Festigkeit ohne Starrheit, ein Wille, der weder gefesselt noch entfesselt ist. Die Mitte finden, die der Situation angemessen ist, dem einmaligen Augenblick.
Thomas Maurenbrecher

 

farbiges Schattentheater mit Jürgen Rassek

Wir haben neulich im Café Tasso auf der Frankfurter Straße zum ersten Mal erlebt, wie es aussieht und sich anhört, wenn das farbige Schattentheater losgeht. Es ist eine einfache Szene mit kleinen Figuren, die an Stöcken geführt werden in dem Fall – ich glaube, das Stück hieß > Der gereimte Löwe< – ging es um das Gespräch zwischen einem Tausendfüßler, dem Vierbeiner fehlten, und einem Käfer, nämlich einem Skarabäus.
Das Gespräch war sehr witzig, und es sah sehr anregend, sprich: poetisch, aus, wenn die beiden Tiere in der einfachen Landschaft miteinander sprachen.
Besonders schön fand ich, dass keine übertriebenen Effekte da waren, sonderndas viel Raum blieb, in dem die Kinder, die zuschauen, mit ihrer eigenen Fantasie in Bewegung kommen können.
Demnächst, während des Festivals 48h Neukölln, werden in der > Mainzer7< mehrmals solche anregenden Schattenspiele zu sehen sein.