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Zur Jahreswende 2012/ 2013

Liebe Mitglieder und Freunde des Kulturraums Mainzer7,

nachdem wir am Mittwoch, den 12. Dezember, unseren letzten Partizipativen Dialog für dieses Jahr zum Thema >Selbstbewusstsein< hatten und Feierstimmung aufkam, möchte ich doch – auch im Namen von Karen – sagen, das wir im vergangenen Jahr mit unseren Veranstaltungen eine derartige Dichte erreichten, dass Begegnungen möglich wurden und nicht nur Zeit, Lebenszeit, verstrich. Ich bin davon überzeugt, dass Henri Bergson recht hat, wenn er die innere von der äußeren Zeit unterscheidet. Bei der inneren Zeit kommt es auf die Dauer an, die von der Intensität des Erlebens abhängt.
Kernstücke unserer Bemühungen waren: das Heil- und Energieseminar mit Artur Asoyan; die Seminarreihe zum Fühlen als eigenem Erkenntnisorgan; die partizipativen Dialoge; die Kulturfestivals im Kiez, an denen wir uns beteiligten, unser Beitrag zu den Tagen des Interkulturellen Dialogs unter dem Thema >Paulskirche gegen Auschwitz – Erinnerung oder Verdrängung<?
Es war unser erstes Jahr, das wir als gemeinnütziger Verein >Wider die Mühlen, zu den Schaumkronen< beenden. Damit sind wir auch im Sattel, was die Regularien betrifft.

Ich wünsche mir, dass wir für das kommende Jahr einen inneren Atem finden, der immer wieder zwischen Gelassenheit und Aufbruchstimmung hin- und herpendelt. Mit einem solchen Atem kann man meines Erachtens einen Beitrag leisten in einer Gesellschaft, in der die Tendenz zum Narzißmus stärker wird und sich alles und jedes zu einer riesigen Maschinerie zusammenballt.
Wir werden versuchen, im neuen Jahr eine Seminarreihe zum Thema >Das Ich, das sich begrenzt und entgrenzt< anzubieten.

Mit guten Wünschen für 2013

Thomas Maurenbrecher

Brainstorming in der Kerngruppe

Nach fast anderthalb Jahren Aufbauarbeit, kurz vor dem Erreichen der Gemeinnützigkeit des Vereins, setzten wir uns am Samstag, den 24.3., für etwa 2-3 Stunden zusammen.
Eingeladen war zu einer deftigen Suppe. Die hatten wir auch nötig. Denn der Titel des Papiers, das alle bekommen hatten, war hochtrabend: >Einen spirituell-philosophischen Kern für die Mainzer7 bilden<. Wir haben uns aber nicht in den Haken und Ösen dieses Papiers verloren, in dem ging es beispielsweise um die Philosophie Max Schelers, überhaupt um das Fühlen als Erkenntnisorgan, um die 111 Tugenden und 111 Laster im gleichnamigen Buch von Martin Seel, um Altäre und Verehrungskräfte, um das Schenken als wichtige soziale Tat.
Nein, das Wichtige war, dass wir 8 ziemlich unterschiedlichen Persönlichkeiten uns gegenseitig wahrnahmen, ja entdeckten – ohne uns zu sehr abgrenzen zu müssen.
Jetzt, da ich versuche, die Erfahrung dieses Treffens in Worte zu fassen, muss ich ständig an einen Gärtner denken, der ein schönes Stück Land zur Verfügung hat. Was soll ich damit machen? fragt er sich. Welches Gemüse soll ich da anbauen? Tomaten, Rote Bete, Broccoli, Fenchel, Lauch, Zwiebeln? Oder einfach nur Kartoffeln? Sowieso bin ich in all diese Gemüsearten vernarrt, sagt sich der Gärtner. Aber welchen Abstand brauchen sie untereinander? Wie viele brauche ich von jedem für meine ganze Familie? Und die Freunde? Ist der Boden gut durchlüftet, gibt es genug Nährstoffe? Was ist mit dem Ungeziefer? Fragen über Fragen…

Einer Versuchung sind wir nicht erlegen: auf unseren Acker knallen wir keinen Kunstdünger!! Denn wir kennen die Probleme mit dem Mega-Wachstum. Die Artenvielfalt geht zurück, und wir sind in der Situation des Zauberlehrlings, der dem Zauber erliegt. Da haben wir ausgelernt: Wir können warten…

Wir haben nicht all diese Fragen aufgegriffen, unser Grundstück war auch nicht ganz neu. Zwischendurch haben wir uns die Suppe schmecken lassen. Wir mochten uns, wenn auch einige mit der Leidenschaft nicht hinterm Berg hielten…

Was uns einfiel? Talkshows mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten im Kiez zu veranstalten; sich überlegen, wie wir mit der großen Bandbreite der Bevölkerung in Neukölln zwischen Intellektuellen und Künstlern einerseits und mehr randständigen Existenzen andererseits umgehen wollen und dabei die fruchtbare Spannung mit hereinbekommen; der Frage nachgehen, ob die Mainzer7 eher ein Projekt für den Kiez oder potenziell für die ganze Stadt sein soll? Zu weiteren Neukölln – Experten Kontakt aufnehmen; vielleicht teilzeitmäßig einen Cafébetrieb anbieten. Deutlich wurde auch, dass es wichtig ist, mit dem Körper zu arbeiten: Performance, Improtheater, Gora-Arbeit. Vielleicht einen Ort der Stille bilden…
Natürlich ist das ein Maximalprogramm. Aber es ist genau wie bei einer Frau, die Gäste einlädt und eher mehr zu essen und zu trinken anbietet als zu wenig… Und vielleicht kommen ja auf die Dauer mehr Gäste… mehr Hausfrauen und Hausmänner… und überhaupt mehr Leute, die sich die Hose nicht mit der Kneifzange zu machen.
Jedenfalls: Es war so, dass sich jeder oder jede seinen/ihren Gesprächsraum suchen konnte. Und ihn auch fand! Keiner hielt dem anderen den Mund zu oder verbreitete das Gefühl: Mach bloß deinen Mund nicht auf, hier sitzen Er-Lauch-te!

Das genügt, um mit Freude weiter aufzubauen.

Wer das hier gelesen und Lust bekommen hat, Kontakt mit uns aufzunehmen, hier ist die hotline:  030-61203861.

Für e-mailer: tho.mau@web.de

Und dann: RAN AN DEN SPATEN!