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Erster Spieleabend mit Dagmar erfolgreich!

Spielen und raufen wollten wir, mit Dagmar, wie angekündigt. Doch es war zu kalt. Draußen war es zu kalt, nicht in unseren Herzen! Wir hatten auch keinen Trainingsraum, um uns warm zu laufen. Fürs Raufen. Also ließen wir es beim Spielen, wir fünf.

Dagmar machte erst ein geheimnisvolles Ratespiel mit uns, schwer zu erklären, es war ziemlich cool, das Spiel. Und dann zeigte sich zum ersten Mal, ich schwöre es! der genius loci der Mainzer7 unverhüllt, als wir ad-hoc-Texte verfassten, immer reihum! Zum Beispiel:

Sausebraus
hängt ab
auf der Couch
gemütlich schlafend und ruhend
in der Hundehütte
viel Theater
Scheiße

oder:

Mafioso
du Schurke
sag‘ ich dir
hör‘ mir gut zu
Mensch und Tier
so friedlich
alles

oder:

(Luftballon: Worte zu den einzelnen Buchstaben finden)

Langer Udo fiel tief, beinahe ans All; oh nein!

(Blumenstrauß: Worte aus den Buchstaben bilden)

Blöde Lulu unter meinen ekligen Nerven, Sapperlot, Trine! Rausch‘ ab, uu, Scheiße Scheiße!

Wir sind noch steigerungsfähig! Wer möchte am Mittwoch, den 3. Februar, 19:00, beim nächsten Spieleabend mitmachen?

Spielen – loslassen – bei sich sein

Ein Workshop über ein solches Tun, ein derartiges Lebensgefühl – was soll das? Wir arbeiten hart (wenn wir eine Arbeit haben) und wir kümmern uns um unsere wellness, oder nicht? In jedem dritten Café haben wir Kästen für Backgammon, wir haben Minigolfkurse und Querfeldeinmotorräder und Futons… genügt das immer noch nicht?
Nein, sage ich, das sind geschickt arrangierte kompensatorische Welten, die dem Stress kein Jota wegnehmen. Wenn ich vor einem Café sitze, meinen Espresso trinke und mir viele Zeitgenossen anschaue, die vorbeigehen, spüre ich: ihr Körper ist eine Maschine, diese Ansammlung von Muskeln, Nerven, Knochen und Organen. Hässlich wirkt das auf den zweiten Blick, gedrillt, platzend vor Zeitnot. Etwas ist aus dem Gleichgewicht.
Irene Gagel und Thomas Maurenbrecher haben am 9. 6. einen Workshop zu dem obigen Thema gemacht. Es begann mit Anregungen aus dem brillanten Buch von Johan Huizinga: Homo ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel (zuerst 1938). Huizinga weist nach, dass die Menschen, ebenso wie die Tiere, schon immer gespielt haben, bevor das entstand, was man Kultur nennt. Beim Spielen gab es den Scherz, die Lust am Leben, nicht nur Ernst der Arbeit. Leben wurde in den vorindustriellen Dörfern mit der Einbettung in Feste, Sitten und Gebräuche und nicht als endlose Plackerei empfunden – wenn die Menschen auch wegen der harten körperlichen Arbeit schneller alterten.
Aus dem reichen Material Huizingas möchte ich nur den Agon der Griechen erwähnen, bei dem Kampf und Spiel in die >heilige Handlung< eingebettet waren. Die Turniere der mittelalterlichen Ritter waren komplexe Spiele, die in Form von Kämpfen >als ob< abliefen. Dem siegreichen Ritter winkte die Gunst einer höfischen Dame.
Was sind denn Spiele, wie kann man sie charakterisieren? Es sind Aktionen, sagt Huizinga, die nach festen Regeln ablaufen und wiederholbar sind; sie haben keinen Zweck, dienen der Freude, sind Ausdruck von Lebenslust. Sie können einen derartigen Sog entwickeln, dass sich Spieler in derartige Ersatzwelten voller Spannung verlieren. Wenn, wie bei den modernen Olympischen Spielen, das Gewinnen und der organisatorische Aufwand (seit kurzem auch nationalistische Gefühle) im Vordergrund stehen, kann man nicht mehr von Spielen sprechen.
Der andere wichtige Begriff im Workshop, das Loslassen, betrifft die Fähigkeit, sich auf Zustände und Handlungen ohne fixierte Ziele einzulassen, also Situationen der Ungewissheit auszuhalten.Hier entstand eine Atmosphäre, die Loslassen ermöglichte. Zuhören in großer Entspannung. Dadurch wurden alte Empfindungen geweckt und Erinnerungsbilder wieder greifbar. Man könnte in der Sprache der Märchen von der Einladung zu >ein andermal< sprechen. Man hat mindestens noch einen Versuch, gönnt ihn sich.
Das Bei-sich-Sein haben wir aus Zeitmangel kaum ins Auge gefasst. Es betrifft ein flottierendes Verständnis von Ich – etwa wie eine Boje, die von Wind und Wellen (den Härten des Lebens) immer wieder umgeworfen wird, aber doch wieder aufsteht.
Praktische Übungen waren ein wichtiger Bestandteil des Workshops. So konnte man sich mit dem Rücken auf eine Decke legen, die dann abwechselnd am Kopf- und am Fußende sanft geschaukelt wurde. Man kam dabei in einen Zustand von Tiefenentspannung. Aus ihm heraus begannen die Teilnehmer, zu erzählen, welche Spiele sie in ihrer Kindheit gespielt hatten. Es war ein Sich –Erinnern an eine erfüllte Zeit, an das Erleben der Grenzenlosigkeit. In sie entließen wir uns an diesem Abend erneut.